Meine Reise mit AI: Zwischen Effizienz, Überforderung und Hoffnung (Teil 2)

Ganz ehrlich: Wenn ich heute zurückschaue, sehe ich nicht, dass mich all die vielen technischen Tools überall effizienter gemacht hätten. Ganz am Anfang sicherlich, als ich Briefe nicht mehr von Hand, sondern mit dem PC schreiben konnte und dieser sogar Serienbriefe konnte. Aber gerade die letzten Jahre hatte ich immer mehr das Gefühl, es kostet mich so viel Aufwand, dranzubleiben und zu verstehen, was mit wem und wie zusammenhängt.

Zum Beispiel braucht man für alles und jedes einen separaten Account. Und irgendwann sogar zwei. Bestes Beispiel: das Smartphone. Während ich anfangs mit einem Android bloss einen Samsung-Account brauchte, nutzte ich bald auch noch einen Google-Account, bis ich vor kurzem feststellte, dass beide für das Speichern und Sichern meiner Daten sind. Dann kamen weitere Sicherheitsvorkehrungen, und plötzlich reichte ein einfaches Passwort nicht mehr, dann brauchte es eine Zwei-Faktoren-Authentifizierung.

Spätestens ab dann war ich herausgefordert bzw. habe gemacht, ohne zu wissen, was ich genau mache. Ich habe nicht mehr verstanden, was alles bedeutet. Ich habe mir dann 2008/09 eine Liste mit all meinen Accounts und Passwörtern angelegt. Natürlich so verschlüsselt, dass wenn die Liste in falsche Hände geraten wäre, sie nicht hätte verstanden werden können - denn der Schlüssel dazu ist in meinem Kopf.

Rate mal, wie viele aktive Accounts ich in dieser Liste aktuell führe? Und wie viele ich in den Jahren bereits deaktivierte habe? Wie viele habe ich wohl, die ich völlig vergessen habe, weil ich sie mir nicht notiert habe? Und versteh mich nicht falsch, all diese Weiterentwicklungen finde ich wichtig und auch gut, aber es wurde mir zu kompliziert.

Was mir heute geblieben ist, ist, dass ich mehr verstehe, wie Technik funktioniert, aber von Effizienz fühle ich mich je länger je weiter weg. Ich kann zwar viele Problemchen, die die Technik verursacht, selber lösen und brauche kaum Support, aber ich stosse an Grenzen. Oft verstehe ich nicht mehr - ohne mich wirklich tief in ein Thema einzulesen - wie etwas funktioniert und was wie zusammenhängt.

Nun denn. Wenn es da also ein einziges Tool gäbe, wo all meine Informationen und Daten gesammelt sind, aber auch alle Informationen der gesamten Welt, und ich darauf Zugriff hätte, mit einer einfachen Anfrage, ja dann will ich das haben. Dann kann ich nämlich endlich all die Listen löschen und ich könnte aufhören, all meine Unterlagen und Fotos so zu sortieren, dass sie jede Frau findet. Ich könnte all die Zeit, die ich mit sortieren, ablegen, dokumentieren, ordnen usw. verbrauche, mit viel Sinnvollerem füllen. Meine Stellensuche wäre so viel einfacher, wenn ich nicht mehr alles selber durchforsten, lesen, ablegen, sortieren, umbenennen, aktualisieren usw. müsste. Oder nicht?

Es ist komplexer geworden. Mein Wunsch nach etwas, das diese Komplexität wieder vereinfacht oder mich darin unterstützt, wurde grösser. Wenn ich also auf eine Datenbank zugreifen kann, die (fast) alles weiss, dann kann ich auch fast jedes Problem lösen. Und ja - ChatGPT weiss noch nicht alles und macht Fehler. Aber: Gerade weil ich dranbleibe, erkenne ich die Fehler, weiss, wo ich nochmals nachhaken muss, wo ich andere Quellen einbeziehen sollte. Ich übernehme nicht einfach ungefiltert, was mir dieses LLM - also ein riesiges Sprachmodell, das Texte versteht und generiert - liefert. Mir fällt auf, wenn es nicht die Schweizer Grammatik benutzt - weil ich diese sehr gut beherrsche. Oder wenn es in Floskeln schreibt. Oder wenn es sich wiederholt und wie eine Maschine klingt.

Aber wenn es dieses eine Tool gäbe - mit nur einer Anmeldung, ohne zig Accounts - das für mich organisiert, koordiniert und unterstützt: Dann wäre viel gewonnen. Realität oder Utopie? Meine Skepsis bleibt. Schliesslich hatte ich mir auch vom Computer - nach der Schreibmaschine - eine Revolution erhofft. Für mich blieb sie aus. Für viele andere wohl auch. Ich erinnere mich gut, wie viele Menschen Angst hatten, dass ihr Arbeitsplatz durch den Computer wegfallen könnte. Die gleiche Angst ist heute bezüglich der KI da. Berechtigt? Oder nur die nächste Runde jener Schreckensszenarien, die schon bei der Dampfmaschine, beim Telefon und beim Computer an die Wand gemalt wurden?

Ich bin überzeugt: Wir sollten uns alle mit dieser Entwicklung beschäftigen. Denn je besser wir verstehen, wie KI funktioniert, desto mehr können wir entscheiden, ob sie uns wirklich dient oder ob wir nur noch mehr Accounts und Komplexität anhäufen.

Und falls du dich immer noch fragst, wie viele Accounts das bei mir nun sind: Über 140 aktive, mehr als 70 deaktivierte und bestimmt noch einige, die ich längst vergessen habe, weil ich sie mir nie notiert habe. Und dabei rede ich nur von meinen privaten Zugängen. Im Arbeitsumfeld kommen jeweils nochmals mehrere Accounts dazu.

Und falls du nun neugierig bist, wie ich selbst KI konkret nutze und welche Tipps und Impulse mir dabei geholfen haben: Bleib dran und lies meinen dritten Artikel. Vielleicht findest du darin Anregungen oder sogar eine kleine Anleitung, wie auch du deinen eigenen Einstieg in die Nutzung von KI gestalten kannst.

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